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Kamin-/Ofenplatten
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Ofenplatten aus Gußeisen

Sie fehlen auf keiner Auktion mehr, nachdem man festgestellt hat, daß sie gerne gekauft werden: zweckentfremdet zur Dekoration der Außenwände und Hallen moderner Landhäuser.

Daß viele dieser viereckigen, quer- und hochrechteckigen Platten keineswegs immer von Öfen stammen, weiß fast niemand mehr. Der Eisenkunstguß vergangener Jahrhunderte lieferte neben Feuerböcken, Grabplatten, Brunnenplatten und Wappentafeln auch Kaminplatten für die offenen Kamine, Herdplatten und »Takenplatten«.

teilvergoldete Ofenplatte
schöne Ofenplatte
Diese letzten drei werden meist mit den gußeisernen Ofenplatten in einen Korb geworfen, weil man sie - sind sie einmal von Ort und Stelle entfernt — kaum voneinanderunterscheiden kann. Die schönen eisernen Öfen der späten Gotik und Renaissance, wie sie etwa in der Veste Coburg, im Überlinger Rathaus oder im Schloß Grünau bei Neuburg an der Donau zu betrachten sind, gehören zu den Spitzenleistungen dieser Kunst, deren Blüte in das 16. Jh. fällt.

Meister seines Faches war Philipp SOLDAN aus Frankenberg in Hessen (1500-1569), der die hessischen Eisenhütten mit seinen kraftvollen, von Bildwerk reich übersponnenen Holzmodeln belieferte. Die Holzform, vom Formschneider geschnitzt, war Ausgangspunkt für den Eisenguß.

Sie wurde in ein angefeuchtetes Sandbett, das neben dem Abstich des Hochofens lag, eingeklopft. Das glühende, flüssige Eisen ergoß sich in den Sandabdruck und erstarrte in ihm.

Die frühen Ofenplatten waren oft farbig bemalt, und man möchte sich wünschen, daß diese freundliche Sitte sich noch bis ins 18. und 19. Jh. fortgesetzt hätte. Was heute in den Handel kommt, stammt ja meist aus dieser späten Zeit und wirkt durch seine tiefe Schwärze recht karg und nüchtern.

Die Bildmotive der Renaissance - dem zeitgenössischen Holzschnitt und Kupferstich entnommen - reichten von allegorischen, humanistischen Themen bis zu den Bibelbildern der Reformation. So gibt es ganze »Bibelöfen«, die über und über bedeckt sind mit Szenen aus der Bibel. Die Herd- und Kaminplatten zeigen meist Familienwappen, Bilder der Namenspatrone oder die Wappen der Landesherren.

Wie gerne man sich mit eisernen Stubenöfen umgab, zeigt ein Auftrag des Herzogs Johann III. von Jülich-Kleve-Berg, den er im Jahre 1538 an seinen Wehrmeister weiterleitete, der die verpachteten Hüttenwerke zu beaufsichtigen hatte:

»...das du bestellest zween stouve oewen / davon wir eynen in eyner stouwe gebruychen wollen die 31 vohs vorn breit und 20 vohs hoch ist / und den ändern in einer stouve die auch 20 vohs hoch und 25 vohs breit ist / und sollen bouwe myt Kachelen uffersatzt werden / und wollest Darstellungen mit unserm Wappen und suverlichen Lysten zurusten lassen, wie es am bequemsten und besten ist.«

Schmied bei der Arbeit
Ofenplatte mit handwerklichem Motiv

So sehr der Ofenplattenguß der Renaissance an Deutschland gebunden ist, eiserne Kaminplatten kannte man auch in Frankreich, Belgien, Holland und Luxemburg, also in allen Eisenlandschaften. Man goß sie dort noch im 19. Jh. Während das französische Zentrum in Lothringen lag (Wappen und Devisen waren die Hauptmotive), haben wir den deutschen Mittelpunkt des Kaminplattengusses in der Eifel zu suchen. Dort sind auch die »Takenplatten« zu Hause. Sie hatten ihren Ort hinter dem Feuer, in der Wand zwischen Küche und Wohnraum und strahlten ihre Wärme in die »gute Stube« hinein.

Quelle:
Lydia Dewiel: "Das kleine Buch der Antiquitäten für stillvergnügte Sammler"
Heimeran 1966


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