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Brillen sammeln - Einführung in die Welt der Brillen: Durch die Brille gesehen

Auf den folgenden Seiten finden Brillen-Sammler eine Einführung zum Thema Brillen sammeln.

Historische Brille

Alte Brille mit dekorierten Brillenetui

Hinweise von google
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Durch die Brille gesehen

Kleine Geschichte der Brille

Es war im Ausgang des 13. Jahrhunderts — in den Gassen Muranos, eines Vorortes von Venedig, tuscheln die reichen Kaufherren miteinander, rücken die Bettler zum Schwatz noch enger zusammen. Die Wagen und Esel, die die kostbaren Glaserzeugnisse zum Hafen oder zu den Handelsstraßen tragen, haben Mühe voranzukommen; überall stehen ihnen Gruppen besonders älterer Leute im Wege, anscheinend besprechen sie ein bedeutsames Ereignis. „Marco" - hört man die schrille Stimme eines Barbiers auf einen Greis einreden - „du kannst fortan wieder ohne Enkel auf die Gasse! Die Brille wird dir helfen, in keinen Pfützen auszurutschen - setze dir die Gläser doch einmal auf die Nase ..."

Historische Brille Es war also die Erfindung der Brille, die die Bürger der fleißigen Stadt so erregte. Wir müssen uns schon in ihre Zeit zurückversetzen, wenn wir ein solches Aufsehen um eine Brille begreifen wollen. Niemandem von uns fiele es ein, über so eine Selbstverständlichkeit ein Wort zu verlieren. Wer schlecht sieht, der geht eben zum Augenarzt und lässt sich zwei Augengläser verordnen. Bisweilen stört uns zwar noch die liebe Eitelkeit, zum Brillenträger zu werden; aber schauen wir heute auf die Auslagen der Optik-Geschäfte: Die hübschesten und elegantesten Modelle werden angeboten; denn mittlerweile hat sich auch die Mode der Brille angenommen, und aus dem, hässlichen Entlein' zauberte sie ein Schmuckstück für Nase und Augen.

Jahrtausende kannte der Mensch keine Brille. Es gab keine Hilfe, wenn sich sein Sehvermögen verminderte. Erst im 11. Jahrhundert kam der gelehrte Araber Ibn el Heitam auf den Gedanken, das Auge durch eine zweckmäßig geschliffene optische Linse zu unterstützen. Er beschreibt den sogenannten Lesestein, ein gläsernes Kugelsegment (Segment = Kreis- oder Kugelabschnitt), das durch Aufsetzen auf die Schrift vergrößernd wirke.

Nach 1240 griffen die gelehrten und praktisch veranlagten Mönche den Gedanken auf und stellten sich Linsen aus Bergkristall oder Quarz her. Sie legten diese Linsen mit der flachen Fläche auf ihre Schriften und erfreuten sich der somit erzielten erheblichen Vergrößerung der Buchstaben. Bald kamen sie auf den naheliegenden Gedanken, mit dem Lesestein ihren alterssichtig gewordenen Klosterbrüdern das Lesen zu erleichtern.

Später schliff man die halbkugelförmigen Linsen flacher, legte sie nicht mehr auf die Schrift, sondern hielt sie darüber und näherte sie dem Auge.

Schließlich kam man auf die glückliche Idee, die Lesesteine direkt vor die Augen zu bringen und zwei von ihnen durch eine Fassung zu verbinden. Die eigentliche Brille war erfunden.

An einen bestimmten Namen knüpft sich diese Erfindung nicht. Vielleicht war es ein Zufallsfund eines Arbeiters, vielleicht auch einer Gemeinschaft. Jedenfalls ist uns hierüber nichts Näheres bekannt. Wir wissen nur, dass gegen Ende des 13. Jahrhunderts - eben in Murano bei Venedig, dem damaligen Mittelpunkt der Glasindustrie - zwei konvex geschliffene Linsen mit einem dicken Ring von Eisen, Holz oder Horn umgeben wurden. Man versah sie mit Stielen und nietete sie an diesen zusammen. Jene allerersten Brillen, denen man heute den Namen Nietbrillen beigelegt hat, hielt man unmittelbar vor die Augen. Brille mit Etui

Vornehmlich schliff man im Mittelalter den Beryll, ein kristallisches Mineral, zu Augengläsern. Von diesem griechischen Wort stammt übrigens der Name ,Brille' ab.

Leider ist uns keine jener ersten Brillen überliefert worden. Wir kennen sie nur aus Abbildungen späterer Zeit. Eine der ältesten Darstellungen dieser Art befindet sich im Kapitelsaal bei der Kirche San Nicolo zu Treviso, einer kleinen Stadt bei Venedig. Ein 1352 von Modena gemaltes Wandbild zeigt den Kardinal Provenza, der eine Nietbrille trägt.

Sicher ist es für manchen von uns erstaunlich, wenn er auf alten Gemälden aus der Zeit des 15. Jahrhunderts schon Moses, den griechischen Philosophen Pythagoras, die Apostel, besonders Petrus, und zahlreiche andere biblische Personen mit Brillen sieht. Aber die Maler jener Zeit, die ihre Kunst hauptsächlich in den Dienst der Religion und alten Geschichte stellten, befassten sich wenig mit geschichtlichen Studien. Sie malten oft die biblischen Gestalten nach den Menschen, mit denen sie lebten. Demnach ist es kein Wunder, dass sie die Brille und den Lesestein mit in ihre Gemälde aufnahmen und somit in eine falsche geschichtliche Zeit verlegten.

Alte Brille

Die Brille ist zu einem der wichtigsten Helfer der Menschheit geworden. Und wenn die Buchdruckerkunst die Kultur der ganzen Welt segensreich beeinflusst hat, so war es die Brille, die ihr dabei half. Erst durch sie war es auch den vielen Alterssichtigen vergönnt, das gedruckte Wort aufzunehmen.

Dr. Emil-Heinz Schmitz

Aus "Stafette"
2. Januar-Heft 1960

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