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Zündhölzer
Kurzinformation


Zündholzschachteln und -etiketten

Älter und seltener als Briefmarken

Phillumenisten, »Freunde des Lichts«, nennt man die Sammler von Zündholzschachteln und -etiketten. Diese kleinen bunten Schildchen, die auf die Vorderseite von Streichholzschachteln geklebt sind, gab es schon mindestens ein Jahrzehnt vor der Erfindung der Briefmarke; das älteste erhaltene Beispiel stammt aus dem Jahre 1829 und befindet sich in der Pariser Nationalbibliothek.

US-Flagge
Nur ein Jahr jünger ist das Etikett, das 1830 der Apotheker John Walker aus dem englischen Stockton on Tees für seine Zinndosen mit »friction matches« verwendete. Drei Exemplare existieren noch von diesem Stück, eins davon in einer Berliner Sammlung.

Seit sich dann um 1840 die Zündholzindustrie und andererseits der Steindruck rapide entwickelten, ist eine Unmenge von ein- und mehrfarbigen Etiketten für Zündholzschachteln, meist im lithographischen Verfahren des Steindrucks, hergestellt worden.

Und fast ebenso lange hat es vermutlich schon einzelne Sammler gegeben, da sonst kaum noch der Fundus von Etiketten aus diesen ersten Jahrzehnten der Streichholzschachtelherstellung in heutigen Kollektionen anzutreffen wäre.

Am phantasievollsten und farbigsten waren die Etiketten des 19. Jahrhunderts in Frankreich, Spanien, Italien und auch in Japan, während etwa in England, Schweden und Deutschland einfache Schriftzeilen und sparsamer graphischer Dekor überwogen. Emblem des Herstellers, Firmenname und -marke waren vorherrschend.

In Deutschland änderte sich das im Jahre 1909, als ein Gesetz die Zündholzschachteln als Werbeträger zuließ. Seitdem gibt es die mannigfaltigen deutschen Zündholzetiketten, die für ganz andere Dinge als für ihren Inhalt Reklame machen, zum Beispiel für Kaffee, Tee, Schokolade, für Versicherungen, Ausstellungen und Sportwettkämpfe.

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Ein Sammler mag sich allein auf derartige Reklameetiketten konzentrieren, oder er kann sich entscheiden, ob er nur ganze Zündholzschachteln oder abgelöste Etiketten sammeln will. Die letztere Methode ist jedenfalls raumsparender, und man kann die Etiketten, ähnlich wie Briefmarken, vorsichtig mit kleinen Papierfalzen in Alben kleben. Auf keinen Fall sollte man sie mit der ganzen Fläche auf feste Unterlagen leimen.

Zu einer beträchtlichen Stückzahl wird man sehr schnell kommen, vor allem, wenn Freunde und Bekannte wissen, dass man Zündholzetiketten sammelt. Schwieriger wird es dann, wenn man sich auf bestimmte Themen, Motivgruppen und womöglich gar auf seltene ältere Stücke kaprizieren will.

Auf jeden Fall ist die Mitgliedschaft in einem Sammlerverein anzuraten, Kontakte vermittelt am ehesten eine Anzeige in einer Sammlerzeitschrift, etwa in dem deutschen Nachrichtenblatt der »Phillumenistischen Gesellschaft e.V.«, die sich »Alte Schachtel« nennt. Sie enthält Nachrichten über Tauschveranstaltungen und Ausstellungen sowie über Spezialhändler, über die man vor allem »antike« Stücke beziehen kann.

Für diese muß man allerdings etliches Geld anlegen, während sonst das Sammeln von Zündholzetiketten kein kostspieliges Hobby ist. Viele findet man selbst oder bekommt sie geschenkt, und je mehr man auf diese Weise gesammelt hat, umso mehr Material hat man, um dann bei Treffen oder im Briefwechsel mit Sammlern das einzutauschen, was man noch haben möchte.

The Crocodile

Auch Kataloge über verschiedene Spezialgebiete gibt es, und auch hierüber erteilt die Phillumenistische Gesellschaft Auskunft.

Von den schätzungsweise mehr als einer Million Phillumenisten, die es auf der Welt gibt, sammeln zweifellos die meisten gewöhnliche Zündholzschachteln oder deren mannigfaltige Etiketten. Doch haben sich auch manche Sammler auf die größeren Etiketten der Pakete spezialisiert, in denen ihrerseits eine größere Anzahl der kleineren Schachteln verpackt gewesen sind.

VEB ROBUR-Werke Andere wiederum sammeln die Zündholzbriefchen oder die zum Teil sehr reich ausgestatteten Geschenkpackungen von Zündhölzern. Doch das sind eigentlich Ausnahmen.

Hauptsächlich gesammelt wird das Etikett von normalen Zündholzschachteln, die normal im Handel erschienen und für den allgemeinen täglichen Gebrauch bestimmt waren, ob im einfachen Arbeiterhaushalt oder im Königspalast.

Schon die Zweitälteste Zündholzschachtel des Apothekers Walker trug die Aufschrift, die sicherlich auch eine für ärmere Kunden gedachte Verkaufsempfehlung sein sollte: »As used in the household of His Majesty King William IV.« — »Wird im Haushalt seiner Majestät König Wilhelms IV. verwendet.«

Quelle
Hans Jürgen Hansen:
"Sammeln macht Spaß"
Deutscher Bücherbund 1976
nur noch antiquarisch erhältlich

 


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