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Speisekarten
Kurzinformation
Hinweise von google

In jüngster Zeit stellten die Historiker fest, daß die Speisekarte gerade 475 Jahre alt geworden ist. Das heute unentbehrliche Restaurant-Requisit verdankt seine Entstehung dem Herzog Heinrich von Braunschweig, der sich 1489 während des Reichstags in Regensburg vor einem Festessen vom Küchenmeister eine Liste der Speisenfolge vorlegen ließ, um seinen Appetit dem Angebot entsprechend einrichten zu können.
Englische Speisekarte
Alte Speisekarte aus England
 
Die für unsere Vorstellungen wahrhaft schlemmerische Speisenfülle, die bei festlichen Tafeln in alten Zeiten allgemein üblich war, läßt die Vorsicht des Herzogs verständlich erscheinen. Seine „Erfindung" hat die Geschichtsschreibung bereichert, da es sich die Chronisten seit etwa 1500 zur Gewohnheit machten, bei Krönungen, Fürstenhochzeiten, Bischofsweihen usw. stets ausführlich die gebotenen Tafelfreuden zu schildern.

Genaue Berichte haben sich beispielsweise von der Vermählung des Grafen Erbach mit Elisabeth, Tochter des Pfalzgrafen Johann von Simmern, am 8. Jänner 1536 oder von einem Gastmahl zu Ehren einer Venetianischen Gesandtschaft beim Fürsterzbischof von Salzburg im Jahre 1597 erhalten.

Kürzere Küchennachrichten hat es aber auch schon vor 1489 gegeben: Aus der Antike sind Speisefolgen in summarischer Form bekannt, von einem Bankett zur Einweihung der Pfarrkirche zu Weißenfels in Thüringen im Jahre 1303 durch Bischof Bruno von Zeitz.

Auch vom Grafen von Quedlinburg und von einem Festessen, das Herzog Ruprecht, Kurfürst von der Pfalz, im Jahre 1445 dem Bischof von Straßburg gab, werden manche Details überliefert. Eine Speisekartensammlung hätte in diesen Berichten ihre ältesten Stücke. Im Gastgewerbe hängt die Verbreitung und Ausgestaltung der Speisekarten (Menükarten) mit der allgemeinen Entwicklung des Reisens, des Fremdenverkehrs usw. zusammen. Neben dieser Popularisierung der Speisekarte hat sich ihre exklusive Form für Festessen geladener Gäste bis heute erhalten.

Interessante Sammlungsstücke sind die Menükarten der Hoftafeln. In der Gegenwart gingen vielbesuchte Lokale, besonders solche an historischen Plätzen, immer häufiger dazu über, Speisekarten graphisch anrakriv auszuschmücken oder mit einer Geschichte des Hauses zu bereichern und als Andenken an die Gäste zu verkaufen.

Norddeutscher Lloyd
Norddeutscher Lloyd Bremen
Das Sammelgebiet, das naturgemäß auch Getränke- bzw. Weinkarten einschließt, ist dadurch sehr erweitert worden. Seinen Umfang kann die Sammlung eines Wieners illustrieren, der über 14.000 Speisekarten aus zahlreichen Ländern verfügt, oder die gastronomische Sammlung eines Schweizers, mit — abgesehen von den Speisekarten — über 2000 Kochbüchern, darunter Erstausgaben und Einzeldrucke seltener Rezepte.

Quelle:
Franz Hadamowsky: Kleines Lexikon des Sammelns
Residenz Verlag, Salzburg 1965


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