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Spardosen
Es gibt sie, seit es Münzen gibt
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Spardosen, Behälter verschiedenartigster Form mit einem Schlitz zum Einwerfen von Münzen, wie sie vermutlich jeder einmal als Kind besessen hat, gibt es fast ebenso lange wie das geprägte Geld selbst. Und auch aus der gleichen Gegend, aus der vermutlich die ältesten Münzen kamen, nämlich aus dem griechischen Kleinasien, stammt der älteste erhaltene kleine Sparbehälter.
Er ist aus Ton gebrannt, hat die Form eines kleinen antiken Tempels und befindet sich heute im Besitz der Staatlichen Museen in Berlin. Wahrscheinlich stand diese erste Sparbüchse der Welt selbst auch in einem Tempel, und ihre Funktion wird vielleicht ähnlich gewesen sein wie die mancher Sammelbüchsen und Opferstöcke in den abendländischen Kirchen. Zahlreiche Spardosen, ebenfalls ausnahmslos aus Ton bestehend, sind auch noch aus altrömischer Zeit erhalten. Sie haben die Gestalt von Muscheln, Zwiebeln, Bienenkörben, tragen aber auch Figuren von Göttern und Göttinnen. |
Häufig waren römische Sparbüchsen in Form eines weiblichen Busens, der als Symbol der Fruchtbarkeit galt und von dem man deshalb wohl eine besonders üppige Vermehrung des ersparten Geldes erhoffte.
Seit dem Mittelalter gab es dann aus Holz, aus Eisen-, Messing- und auch aus Silberblech gearbeitete Sammelbüchsen, in denen Gilden und Handwerkerzünfte ihre Mitgliedsbeiträge sammelten. Der Einwurfschlitz befand sich im Dekkel, der mit einem kunstvoll gearbeiten Vorhängeschloß versehen und zur Entnahme des Geldes aufklappbar war.
Mit der Erfindung des Porzellans im 18. Jahrhundert kamen dann Spartöpfe und figürliche Spardosen aus Porzellan auf, denen schon hundert Jahre vorher ähnliche Formen in Fayence vorangegangen waren. Bald gab es auch die unterschiedlichsten figürlichen Motive aus verschiedensten anderen Materialien. Dabei standen entweder die Figuren auf einem kästen- oder kugelförmigen hohlen Sockel, der die eigentliche Spardose darstellte, oder sie waren selbst hohl und hatten meistens einen Schlitz am Nacken.
Während des 19. Jahrhunderts, nachhaltig gefördert durch die Gründung von Sparkassen überall in Europa, entstanden dann, nun schon in Serienproduktion, die unterschiedlichsten Arten von Spardosen. Es sind die Typen, wie sie zum Teil auch jetzt noch in Gebrauch sind. Zu ihnen gehören die sprichwörtlichen Sparschwei- ne, die mit den meisten aus einfacher Keramik bestehenden anderen Sparbehältern übrigens das gleiche Schicksal haben wie die Mehrzahl der antiken Tonsparbüchsen: daß sie nämlich, wenn sie voll sind und geleert werden sollen, zertrümmert werden müssen. |
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Aber auch aus Glas, Eisen, Zink, Kupfer, Messing und sehr vielen anderen Materialien, in neuerer Zeit vor allem auch aus Kunststoff, gibt es in Serien produzierte Sparbüchsen.
Und diese populären Dosen der letzten hundert Jahre sind es, die man in erster Linie sammeln kann. Mit kuriosen figürlichen Blechsparbüchsen vom Anfang unseres Jahrhunderts mag man beginnen, auch mit figürlichen Keramiksparbüch sen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg: auf jedem Trödelmarkt findet man entsprechende Exemplare.
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Antiquitätenhandlungen, die sich neuerdings auf altes Spielzeug spezialisiert haben, sind dann vielleicht für den Sammler die nächste Quelle. Für Preise zwischen zwanzig und fünfzig Mark kann man bei ihnen noch
recht originelle Einzelstücke erwerben. Wertvollere Sammelbüchsen, Opferstöcke, Porzellan- oder gar Silberspardosen aus früheren Jahrhunderten dagegen wird man meistens nur im gehobeneren Antiquitätenhandel bekommen. Die Preise für sie entsprechen dem Alter, dem Material und dem Grad der künstlerischen Qualität, sind also äußerst unterschiedlich wie bei allen anderen guten Antiquitäten auch. |
Quelle
Hans Jürgen Hansen:
"Sammeln macht Spaß"
Deutscher Bücherbund 1976
nur noch antiquarisch erhältlich