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Andenken
Andenken als sichtbare Erinnerungen an Erlebnisse und Personen bilden das allgemeinste, aber auch das persönlichste aller Sammelgebiete. Seine Vielfalt ist unendlich. Sie reicht von Werbebroschüren, Fahrkarten (die Greta Garbo über 35 Jahren mit Begeisterung sammelte!), Hotelrechnungen, Kofferzetteln, Hüttenstempeln, Ansichtskarten und Photographien bis zum gesammelten, geschenkten oder gekauften „Souvenir". Ganze Industrien und tausende Geschäfte leben von Andenkenkäufern.
| Als große Gruppen kann man die Reiseandenken, die Erinnerungsgegenstände an Personen und die Kriegsandenken unterscheiden, wobei wir bei dieser Gruppe ausdrücklich vor der Aufbewahrung gefährlichen Kriegsgeräts warnen möchten. Zu den Reiseandenken kann bald jeder bekannte Ort irgendeine Spezialität beisteuern — man muß nicht gleich an venezianische Gläser oder Wiener Petit-Point-Stickereien denken. Als Andenken mit dem Nimbus der großen Welt sind in den letzten Jahren Flugtaschen so beliebt geworden, daß sie nicht mehr allein von Fluggesellschaften ausgegeben, sondern als Geschäftsartikel verkauft werden.
Andenkensammler haben häufig die Eigenschaft, weniger kaufen als kostenlos „sammeln" zu wollen. So mußte z. B. das alte Münchner Hofbräuhaus energische Schritte gegen die Freunde seiner Bierkrüge — Musterstücke von Souvenirs — unternehmen. |
Auf Helgoland mußte man die Mitnahme des roten und rot-weißen Gesteins verbieten, weil die Insel sonst wohl Stück für Stück in den Taschen der Touristen verschwunden wäre. In London wurden aus einem Hotel innerhalb von 18 Monaten 9000 schwere Kristallaschenbecher mit Goldrand „entführt", und besonders einfallsreiche „Sammler" haben ein Messingschild des traditionsreichen Eton Colleges und zwei schwere Kanonenkugeln von Lord Nelsons Flaggschiff „Victory" gestohlen. Ob allerdings die Holzwürmer dieses Segelschiffes, um deren Zusendung ein Sammler einmal die britische Admiralität gebeten hat, als Andenken oder für zoologische Studien gewünscht wurden, blieb ungeklärt.
Echte Souvenirs sind hingegen Brocken von den Kreide-Felsen bei Dover, um die heimwehkranke Engländer häufig die Stadtbehörden bitten. Da scheint uns das Hobby eines weitgereisten Baslers eleganter: er kaufte in jedem Hotel, wo er abgestiegen war, einen Silberlöffel, ließ Datum und Ort eingravieren und stellte ihn daheim in Regalen auf, die schließlich 2000 derartige Andenken enthielten.
| Sehr wertvolle und aufschlußreiche Andenkensammlungen sind solche, in deren Mittelpunkt ein anderer steht. Künstler, Dichter, Komponisten, Gelehrte können mit ihrem Leben und Werk zu einem Sammelobjekt werden.
Oft sind auf diesem Gebiet Privatleute die Hüter nationaler Interessen und die Wegbereiter großer Museen geworden. Im deutschen Sprachraum gibt es zahlreiche Gedenkstätten, deren Zustandekommen und Bewahrung fast immer einzelnen Sammlern zu danken ist.
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