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| Kleine Schreibmaschinen-Geschichte
Bereits am 7. Januar 1714 erteilte das Britische Patentamt dem englischen Ingenieur Henry Mill das königliche Patent Nr. 395 für eine Maschine, die wie folgt beschrieben wird: "Eine künstliche Maschine oder Methode, Buchstaben abzudrucken oder abzuschreiben, einzelne oder fortlaufend, einen nach dem anderen wie in der Schrift, so daß jeglicher Text auf dem papier oder Pergament so klar und deutlich abgeschrieben werden kann, daß man diese Schrift vom Druck nicht unterscheiden kann..." Ungeklärt ist, ob diese Maschine jemals gebaut und benutzt wurde. Erst über 100 Jahre später erhielt der Amerikaner Burt vom Washingtoner Patentamt ein weiteres Patent über eine von ihm konstruierte Schreibmaschine für Sehende. Datiert ist die Patenturkunde am 23. Juli 1829. Das Modell war übrigens aus Holz gefertigt.
Der Franzose Xavier Progin verwendete in seiner Maschine erstmalig Typenhebel, die gleichlang in Kreisform angeordnet waren. Es handelte sich, da noch keine Tastatur mit tastenhebeln vorhanden war, um sogenannte Druckhebel. Typenhebel wurden erstmals im Schreibklavier des Italieners Guiseppe Ravizza verwendet. Sie waren auch kreisförmig angeordnet, schlugen aber als Schwinghebel von unten auf die Schreibwalze. Der Amerikaner John Pratt präsentierte 1863 erstmals eine Maschine, bei der mal mehrere Tasten zugleich anschlagen konnte. Dafür erhielt er 1866 in London ein Patent.
Wesentlich bedeutender war die Sholes & Glidden Type Writers, deren Produktion Ende 1873 begann und 1874 auf dem amerikanischen Markt eingeführt wurde. Ein Zeitungsmann aus Milwaukee, Christopher L. Sholes, war die treibende Kraft bei der Entwicklung dieser Maschine. Die Sholes & Glidden schrieb nur Großbuchstaben und sie war bereits mit der QWERTY-Tastatur ausgestattet. Diese Tastenanordnung ist noch heute bei fast allen Tastaturen üblich (in deutschsprachigen Ländern entspricht dies QWERTZ). The S&G war eine sehr dekorative Maschine, die einer Nähmaschine nicht unähnlich war. Dies kam sicherlich daher, daß die Fabrikation in der Nähmaschinen-Abteilung der Remington arms company erfolgte.
Um die Jahrhundertwende setzte sich die Standardschreibmaschine durch. Franz X. Wagner beeinflußte mit seinem patent die Entwicklung bis in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Es handelte sich dabei um den reinen Vorderanschlag. 1919 erschien die erste deutsche Nachkriegsmaschine. Sie wurde von der Lehmann AG in Erfurt hergestellt. Diese Maschine war erstmals mit einer Umkleidung aus Stahlblech ausgestattet, die die Maschine gegen Außeneinwirkungen schützte. Der Neuaufbau nach dem zweiten Weltkrieg trug dazu bei, daß in Deutschland viele Bauartveränderungen und -neuerungen durchgeführt wurden. Konstruktionsverbesserungen waren die Segmentumschaltung, Wagen mit Kugelführung, endgültige Etablierung der Rechteckform, Wagen aus Leichtmetall u.a.m. Durch das Aufkommen der elektronischen Schreibmaschinen (nach den elektromechanischen) entstand eine bedeutende neue Entwicklung. Heute sieht es fast so aus, als ob die Zeiten der Schreibmaschinen gezählt sind. Auch in großen Unternehmen werden Schreibmaschinen fast überall durch Computer ersetzt. Gerade deshalb ist das Sammeln von Schreibmaschinen ein faszinierendes Hobby, daß dazu beträgt, diese Wegbereiter der Textverarbeitung vor dem Vergessen zu retten. |