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Siegel + Siegelmarken
Kurzinformation
Hinweise von google

Petschaften, Siegel und Siegelmarken

Wenig beachtete und vielleicht zukunftsträchtige Sammelgebiete

Merkwürdigerweise ist das Sammeln von alten Siegeln, das gegen Ende des letzten Jahrhunderts sehr beliebt war, im Gegensatz etwa zum Münzensammeln nicht mehr besonders populär. Dabei erfüllen Siegel, was ihre historische Bedeutung, ihren stilgeschichtlichen und künstlerischen Wert betrifft, ganz ähnliche Voraussetzungen wie die Münzen. Und wie auf diesen erscheinen auf ihnen in Reliefdarstellung zum großen Teil die Symbole und Inschriften fürstlicher, staatlicher oder sonstiger behördlicher Macht.

Petschaft mit gesiegeltem Brief Die Art der Verwendung jedoch und das Material sind sehr unterschiedlich:

die mit harten Stahlstempeln geschlagenen Münzbilder sollten mit der Autorität des Herrschers oder des Staates Reinheit und Wert des als Zahlungsmittel dienenden Metalls garantieren, während die früher ausschließlich in Wachs, nach dem Mittelalter meistens in Siegellack, beides weiche Materialien, mit Petschaften eingedrückten Siegelreliefs entweder den Zweck hatten, Briefe und Behälter vor unbefugtem öffnen zu sichern oder auf Urkunden durch das jeweilige Wappen oder sonstige Hoheits- oder Persönlichkeitssymbol die in ihr niedergelegten Willenserklärungen des Siegelers zu bekräftigen — eine Übung, an deren Stelle heute fast ausschließlich die Namensunterschrift getreten ist.

Schon vor fast fünftausend Jahren kannten die Sumerer in Mesopotamien Siegelzylinder aus graviertem Stein, die auf Ton abgerollt wurden. Griechen und Römer benutzten aus Stein geschnittene Siegelstempel, und seit der karolingischen Zeit bis heute ist im ganzen Abendland das Siegeln mit Stempeln, oder genauer mit Petschaften, wie man die Siegelstempel nennt, üblich gewesen. Petschafte, die meistens aus Bronze oder Messing bestehen und auf deren Stempelfläche das Siegelbild negativ eingraviert ist, haben sich von staatlichen, städtischen und kirchlichen Siegeln eine Reihe erhalten, befinden sich jedoch fast ausschließlich noch im Besitz dieser Behörden oder deren Rechtsnachfolger.

Für den Sammler kommen sie deshalb kaum in Frage, um so mehr jedoch private Petschafte aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die man oft im Handel findet. Die Griffe sind meistens schön gedrechselt, aus Edelholz, aus Elfenbein, Silber, gelegentlich auch aus Porzellan. Es war auch üblich, vor allem bei Handwerksmeistern, Kaufleuten und Schiffskapitänen, Petschaften an der zu tragen, diese hatten keinen Stiel, sondern über der Stempelfläche eine meist angegossene kräftige Öse zur Befestigung an der Kette.

Ist also das Sammeln von hundert- bis dreihundert Jahre alten Petschaften, für die man je nach Alter zwischen fünfzig und etwa dreihundert Mark anlegen muß, nicht allzu schwierig, so macht dagegen das Aufspüren guter alter Originalsiegel mehr Mühe.

Siegelabdruck

Wenn man gelegentlich Glück hat, inhaltlich relativ unbedeutende ältere Urkunden mit Originalsiegeln günstig angeboten zu bekommen, sind diese nämlich zumeist nicht besonders erhalten und, soweit sie aus Siegellack gefertigt wurden, vielfach brüchig. Doch gibt es für den Interessenten alter Siegel die Möglichkeit, Abformungen von historichen Originalsiegeln zu erwerben oder sich in den Archiven, in denen sie aufbewahrt werden, selbst anzufertigen. Ernsthaften Sammlern gegenüber sind die betreffenden Behörden meistens recht entgegenkommend.

Es gibt heute sehr viel besser zum Abdruck geeignete Kunststoffe als Wachs und Siegellack. Sie haben den Vorteil, daß das abgedrückte Bild meist noch exakter erkennbar ist und andererseits die alten wertvollen Petschafte nicht im geringsten unter einer solchen Benutzung leiden.

Während des 19. Jahrhunderts ist das früher allgemein auch bei weniger wichtigen amtlichen Schriftstücken übliche Siegeln weitgehend durch den Gummistempel verdrängt worden, der heute fast ausschließlich benutzt wird. Auch solche Gummistempel und deren Abdrücke kann man sammeln.

Siegelmarken des 19. Jahrhunderts In der Zeit zwischen 1870 und 1918 etwa aber gab es noch einen anderen, recht dekorativen Ersatz. Es waren die bunten, zumeist runden und die Form der Siegel nachahmenden, aus Papier geprägten Siegelmarken, die gewöhnlich inmitten einer umlaufenden Schrift das Wappen der siegelnden Behörde trugen. Konsulate, Magistrate von Städten, Armeekorps, Heeresdivisionen, Eisenbahndirektionen verwendeten solche Marken. Heute sind sie kaum noch üblich, und die ungeheure Vielzahl, die es einmal gab, ist sicher größtenteils vernichtet.

Sie wurden in beträchtlichem Maße, außer in der Funktion als Urkundensiegel, auch als Verschlußmarken für Postsendungen benutzt. Um 1900 hat man sie zeitweise fast ebenso leidenschaftlich gesammelt wie Briefmarken.

Und daß mit der Nostalgiewelle, die uns so manches wieder schick erscheinen läßt, was man damals geschätzt hat, auch Siegelmarken eines Tages wieder gesammelt und gut bezahlt werden, wäre denkbar.

Einstweilen aber noch werden sie kaum beachtet. Und die Chancen, komplette Sammlungen aus der Zeit von vor hundert oder achtzig Jahren im Trödelhandel aufzuspüren, sind, einige Zeit und Geduld vorausgesetzt, nicht aussichtslos. Der zu zahlende Preis dürfte äußerst gering sein, ob allerdings in fünf Jahren noch, ist zumindest zweifelhaft.

 
Quelle
Hans Jürgen Hansen:
"Sammeln macht Spaß"
Deutscher Bücherbund 1976
nur noch antiquarisch erhältlich


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