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Plakate
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Plakate und Poster - Alte und neue Werbeanschläge

Das neuerlich so gebräuchliche Wort Poster ist lediglich die englische Übersetzung des Begriffes Plakat. Aber obgleich beide dasselbe bedeuten, verbinden sich heute merkwürdigerweise, vor allem was das Sammeln betrifft, mit ihnen etwas unterschiedliche Vorstellungen.

Denn erst seit etwa gut zehn Jahren, als es Mode der Jugend wurde, große, bunte, meistens der damals blühenden Pop Art nahestehende Plakate zu sammeln, hat man diese nach dem in England und Amerika gebräuchlichen Wort, woher auch die Sammelmode kam, als Poster bezeichnet.

Nun ist der weitaus größte Teil dieser Ware jedoch, in ganz unterschiedlicher künstlerischer und drucktechnischer Qualität, eigens für den Vertriebsweg durch Poster-Shops oder -Versandhäuser produziert worden - zum Teil von bedeutenden Künstlern.

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Und die meisten sind eher von vornherein als Wandschmuck gedacht, mit Verkaufspreisen von durchschnittlich fünf bis zehn Mark, denn als Werbeanschläge.

Das aber sind Plakate im Grunde ausschließlich. Gedruckte Maueranschläge mit Ankündigungen, etwa von Theatervorstellungen, überwiegend mit Text und gelegentlich kleineren Holzschnitt- oder Kupferstichillustrationen, gab es schon seit dem 16. Jahrhundert.

Doch erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts, zuerst in England, wo schon 1824, dreißig Jahre vor dem Berliner Ernst Litfaß, nach dem diese Erfindung in Deutschland ihren Namen bekam, die erste Anschlagsäule aufgestellt wurde, druckte man dann großformatige Plakate, die nicht mehr im wesentlichen zur Lektüre bestimmte Bekanntmachungstexte enthielten, sondern in Großbuchstaben den flüchtigen Passanten auf bestimmte Waren oder Veranstaltungen hinweisen sollten.

Die Entwicklung des Farbenlithographiedruckes führte dann etwa ab 1870 zur Verwendung sehr großer, zum Teil knallbunt bedruckter Werbeplakate, die anfangs unter anderem sehr gern von Zirkusunternehmen verwendet wurden. Bild und Text standen nun nicht mehr unabhängig neben- oder untereinander, sondern waren Teile einer geschlossenen Gesamtkomposition.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts widmete sich dann eine Reihe von berühmten Künstlern der Gestaltung von Plakaten: in Frankreich Cheret, Toulouse-Lautrec, Steinlen; in England Beardsley und Mackintosh; in Deutschland Franz von Stuck, Max Klinger, Emil Rudolf Weiß, Thomas Theodor Heine und Ludwig Hohlwein. Seitdem ist das große, überwiegend von Künstlern und Graphikern entworfene auffällige Farbplakat aus der Werbung nicht mehr wegzudenken.

Selbstverständlich kann man moderne »Poster« kaufen und sammeln. Und sie können zweifellos ein sehr schönes Sammelgebiet und ein origineller Wandschmuck sein. Aber interessanter sind Kollektionen alter und auch neuerer Plakate, die ausnahmslos als Werbeanschlag entworfen und verwendet worden sind: von den großen Reklameblättern Toulouse-Lautrecs' für die Etablissements des Montmartre bis zu neuesten, einfallsreichen Plakaten für Waschmittel oder harte Getränke.

Jane Avril - Toulouse-Lautrec

Von erheblichem Niveau sind weitgehend die vielfach von Künstlern selbst entworfenen Ankündigungen für Ausstellungen ihrer Werke. Auch diese besondere Art von Plakaten gibt es schon seit kurz vor der letzten Jahrhundertwende.

Was Preise betrifft: für die von berühmten Künstlern wie Kokoschka oder Picasso geschaffenen Plakate aus der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg wird man einige tausend Mark aufwenden müssen, Spitzenstücke wie das Plakat mit der Moulin-Rouge-Tänzerin »Jane Avril« von Toulouse-Lautrec kosten fünfstellige Summen.

Brasserie du Cardinal (Brauerei)
Durchschnittliche, guterhaltene Reklameplakate aus den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts bis etwa zum Zweiten Weltkrieg bezahlt man mit Preisen zwischen fünfzig und etwa dreihundert Mark.

Beispiele aus der Gegenwart, auf die ein Sammler historischer Reklameplakate schon wegen der Kontinuität nicht verzichten sollte, kann man häufig auf Grund eines freundlichen Briefes an die Werbeabteilungen der betreffenden Firmen gegen einen geringen Selbstkostenpreis oder gar umsonst zugeschickt bekommen.

Fast sämtliche Kunstgalerien und Kunstmuseen der Welt versenden übrigens die oft hervorragenden Plakate ihrer laufenden Kunstausstellungen auf Anforderung zu Preisen zwischen fünf und zehn Mark. Aber auch die persönliche Bekanntschaft mit einem Plakatankleber dürfte sich für den Sammler lohnen.

Text-Quelle
Hans Jürgen Hansen:
"Sammeln macht Spaß"
Deutscher Bücherbund 1976
nur noch antiquarisch erhältlich


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