Muscheln (von der Wissenschaft als Bivalvia oder Lamellibranchia bezeichnet) bilden im Tierstamm der Weichtiere eine Klasse, die rund 25.000 Arten umfaßt. Sie leben größtenteils im Meer, können aber auch im Süßwasser vorkommen. In den stark verschmutzten Gewässern der Industrienationen geht freilich die Zahl der Muscheln mehr und mehr zurück.
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Die zweiklappige Schale der Muscheln, die bei fast allen Arten den gesamten Körper umschließt, besteht aus Kalk und Konchiolin. Einen Kopf haben die Muscheln nicht; der Körper besteht aus dem Rumpf mit den Eingeweiden, dem vom Rumpf ausgehenden Mantel, der auf der Innenseite der Schalenklappen liegt, und dem Fuß. Zwischen Mantel und Fuß befinden sich auf beiden Seiten die Kiemen, durch die das Sauerstoff und Nahrung transportierende Wasser strömt. |
Fast alle Muscheln leben in oder auf Schlammböden in Küsten- und Uferbereichen. Arten, die sich einbohren oder festheften können, bewohnen auch felsigen Untergrund. Neben den Muschelschalne sind auch die kegel-, röhren-, walzen- oder spindelförmigen Gehäuse der Meeresschnecken bei den Samlern beliebt.
| Wer sich eine Muschelsammlung anlegen möchte, wird nur wenig auf eigene Faust zusammentragen können, wenn er sich in einheimischen Uferbezirken auf die Jagd begibt. Auch an Nord- und Ostsee ist die Ausbeute nicht allzu ergiebig.
Hingegen kann man einen Urlaub an den Gestaden des Mittelmeeres oder des atlantischen Ozeans dazu benutzen, Schalen zu sammeln. Man begibt sich dabei am zweckmäßigsten bei Ebbe auf die Suche. Oft findet man Muscheln im Sand oder unter Steinen eingegraben. Nach einem Sturm liegen am Strand meist ziemlich viel Muscheln herum, und mit einigem Glück findet man auch seltene Arten darunter. |
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Der versierte Muschelsammler aber begibt sich auf die Unterwasserjagd: Wer auf den Meeresgrund hinabtaucht, wird reiche Beute machen können. Fragen Sie an Ihrem Urlaubsort die Einheimischen nach besonders lohnenden "Fanggründen"!
Muscheln werden zunächst entleert und gesäubert. Dabei bedient man sich zweckmäßigerweise einer nicht zu harten Metallbürste, die Unreinheiten entfernt, aber die Schalenoberflächen nicht zerkratzt, denn Kratzer beeinträchtigen den Wert der Sammelstücke.
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Nicht immer sind die am meisten ins Auge springenden Muscheln auch die kostbarsten. Manche kleinen, aber seltene Muscheln werden zu erheblich höheren Preisen gehandelt als für den Laien verlockende Prunkstücke in auffälligen Färbungen.
Ihre Schätze können Sie in Vitrinen zur Schau stellen, aber viele Sammler ziehen es vor, sie in gut schließenden Schubladen aufzubewahren, wo sie vor Staub und Licht geschützt sind. Wenig wertvolle, aber dekorative Muscheln lassen sich für vielerlei Bastelarbeiten benutzen; man kann damit sehr hübsche Gegenstände für die Wohnung herstellen. |
Wer seine Sammlung weiter ausbauen will, bedient sich des lebhaften internationalen Tauschhandels. In zahlreichen Ländern haben sich die Muschelsammler, die sich als Malakologen bezeichnen, zu Vereinen zusammengeschlossen, die Adressen, Informationen und Ratschläge vermitteln.
Der villeicht berühmteste Muschelsammler des zwanzigsten Jahrhunderts war Fürst Albert I. von Monaco, der um 1910 das Museum für Meereskunde begründet hat. In seiner herrlichen Sammlung finden sich neben fast mikroskopisch kleinen Muscheln Riesenexemplare wie die Tridacna gigas, die Riesenmuschel tropischer Meere, die bis zu einem Meter groß und über zweihundert Kilogramm schwer werden kann. Die Glanzstücke der Sammlung sind einige wunderschöne spiralige Gasteropoden-Schalen.
| Übrigens dienten früher Muschelschalen in afrikanischen und asiatischen Ländern als Zahlungsmittel, besonders die Schalen der Kauri- oder Porzellanschnecken. Auch Schmuck wurde einst sehr häufig aus Muschelschalen hergestellt.
Die Griechen gaben ihren Meeresgittheiten Muscheln als Attribute bei; im Mittelalter war die Muschel das Abzeichen der Pilger; und im Rokoko war sie sogar die Grundform der Kunst. Aus den Purpurschnecken gewann man in der Antike einen Farbstoff, mit dem die Gewänder geistlicher und weltlicher Herrscher eingefärbt wurden ("im Purpur geboren"). |
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Wie schon erwähnt, sind bei uns nur noch wenige Muschelarten heimisch. An Nord- und Ostsee findet man die Sandklaffmuschel, die Trogmuschel, die Plattmuschel und die Amerikanische Bohrmuschel. Einheimische Süßwassermuscheln sind die seltene Flußperlmuschel, die Teichmuschel, die Flußmuschel und die Wandermuschel.
aus "Sammeln macht Spaß"
Die praktische Hausbibliothek Band 12
Éditions des Connaissances Modernes, Freiburg 1975
nur noch antiquarisch erhältlich
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