| Die Freude am Sammeln ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist das Objekt. Die Freude am Sammeln wird aber schnell getrübt, wenn das Objekt nicht den Wünschen entspricht. Gerade beim Kauf von Antiquitäten gibt es so viele Fallstricke,
dass es sich lohnt, sich zuerst zu informieren und von passionierten Käufern zu lernen.
Hier einige Tipps:
- Kaufen ist leichter als Verkaufen. Auch wenn es so aussieht, dass es mehr Käufer als Verkäufer gibt. Das ist oft ein Trugschluss. Die Käufer sieht man in Geschäften und auf Antiquitätenmärkten. Die Verkäufer sind dort bestimmt in der Minderheit. Aber die verkaufen ja meist nicht ihre eigenen Sachen, sondern betätigen sich als Wiederverkäufer. Hinter ihnen steht also eine große Zahl von Anbietern. Und meist ist es doch nicht so,
dass den Verkäufern die Objekte buchstäblich aus der Hand gerissen werden. Deshalb sollte man sich immer die Zeit nehmen, in Ruhe auszusuchen.
- Informieren Sie sich, bevor Sie eine Sammlung beginnen. Es ist besser, das Geld, das Sie für das erste Stück ausgeben wollen, zum Kauf von Büchern und anderen Informationsquellen für Ihr Hobby anzulegen. Eine bessere Anlage können Sie kaum machen.
- Wählen Sie mit Bedacht aus. Das ist der Schlüssel zu einer guten Sammlung.
- Verlassen Sie sich nicht zuviel auf die Meinung anderer. Bilden Sie sich selbst eine Meinung und wägen Sie den Kauf genau ab.
- Denken Sie daran, dass Qualität, Alter, Verfassung, Material, Größe, handwerkliche Arbeit und Aussage, wie selten das Objekt anzutreffen ist, wichtig für die Beurteilung des Preises sind.
- Hüten Sie sich vor Spontankäufen. Sicher, mancher hat damit schon sein "Schnäppchen" gemacht. Doch die meisten bereuten später ihre
Ad-hoc-Käufe.
- Suchen Sie abseits der großen Touristenzentren nach Antiquitäten. Die Händler wissen,
dass es Touristen oft mit der Qualität nicht so genau nehmen und die Preisgrenzen nicht so eng sehen.
- Gerade im Ausland ist der Unterschied zwischen Souvenir und echter Antiquität zu ziehen. Besonders auf dem Gebiet der volkstümlichen Kunst sind die Grenzen für den Laien manchmal fließend. Aber man sollte sich immer vor Augen halten, zurück in Deutschland hat das Souvenir meist nur "Staubfänger-Wert", die echte Antiquität wird dagegen sogar noch höher gehandelt als am Platz des Einkaufes.
- Freizeit verführt. Und das besonders im Urlaub. Auf keinen Fall sollte man hier die Marktgesetze außer acht lassen, die bestimmte Preise für bestimmte Antiquitäten und deren Zustand herangebildet haben. Und an diesen Gesetzen
muss auch bei vernünftiger Kalkulation das Angebot am Urlaubsort gewertet werden.
- Bevor man ein größeres Stück erwirbt, sollte man die Vertrauenswürdigkeit des Händlers prüfen. Unter passionierten Sammlern sind schwarze Schafe bekannt. Man
muss sich also nur in der Szene umhören.
- Vorsicht bei Erzählungen von Hotelportiers und Vermittlern. Sie lassen sich den Tip meist mit einer Kommission von etwa 10 Prozent bezahlen. Und diese Kommission ist selbstverständlich schon vom empfohlenen Händler im Preis, den er Ihnen nennen wird, eingerechnet.
- Bei größeren Antiquitätenhändlern, die Kreditkarten akzeptieren, hilft manchmal der Hinweis,
dass man statt mit Kreditkarte auch bar zahlen könnte zu einem Preisnachlass. Zahlt nämlich der Kunde bar, dann bekommt der Händler schneller sein Geld, und außerdem
muss er nicht die Kommission an das Kreditinstitut abtreten. Diese Kommission bietet er gelegentlich als Nachlass dem Käufer an.
- Vorsicht vor Händlern, die mit dem Hinweis verkaufen wollen, dass eigentlich das Stück viel mehr wert sei, sie aber das Stück für den und den Preis geben würden. In diesem Fall kann man sogar unterstellen,
dass manchmal das Stück noch weniger wert ist als der angebliche "Gelegenheitspreis".
- Ein alter Trick ist auch, dem Käufer zu sagen, das Stück wäre falsch ausgezeichnet. Aber nun können man wohl nicht mehr einen höheren Preis verlangen.
- Antiquitätenexperten behaupten, jedes Stück ist so viel wert, wie der Sammler dafür zahlen möchte.
- Gibt es keine Möglichkeiten, den verlangten Preis anhand von Erfahrungen oder gleichwertigen Antiquitäten abzuschätzen, so gilt als Faustregel: "Der Preis kann sich danach richten, was das Objekt wert wäre, wenn es heute angefertigt würde."
- Händler freuen sich, wenn Kunden nicht zu kritisch ihre Ware begutachten und dadurch Sprünge, Abblättern von Farbe, beschädigte Stellen etc. unentdeckt bleiben. Spätestens aber, wenn der Käufer eine Antiquität wieder weiterveräußern möchte, werden die Beschädigungen erkannt und mindern den Preis.
- Der Preis sollte zuerst einmal zweitrangig sein. Am Anfang geht es um die Qualität. Eine Sammlung, die sich auf Stücke von minderer Qualität aufbaut, wird auch dem Besitzer spätestens dann wenig Freude bereiten, wenn er sich mehr in der Materie eingearbeitet hat. Lieber für einen bestimmten Preis ein gutes Stück kaufen, als drei von minderer Qualität.
- Achtung vor Mitbewerbern beim Kauf. Sagt ein Händler, dass er noch einen anderen Interessenten hätte und deshalb dem Kunden eine Bedenkzeit geben müsste, dann kann man annehmen,
dass in vielen Fällen die Bedenkzeit verstreicht, ohne dass die Antiquität verkauft ist.
- Vorsicht vor angeblichen Käufern, die sich im Geschäft und auf dem Antiquitätenmarkt spontan ebenfalls für ein Stück interessieren, über das man gerade verhandelt. Manchmal handelt es sich bei dem weiteren Interessenten nur um Mutter, Tante, Bruder, Schwester oder ein anderes Mitglied der Verwandtschaft des Verkäufers. Der Trick ist zwar billig, aber es fallen immer wieder Leute darauf herein.
- Bevor Sie ein größeres Stück kaufen, sollten Sie sich klar darüber sein, wo Sie es aufstellen können. Ein Riesenschrank, der dann nicht in das Wohnzimmer passt oder so dominierend wirkt,
dass er das restliche Wohnzimmer zum Speicher degradiert, wird wenig Freude machen. Dazu kommt noch,
dass ein spontaner Wiederverkauf nicht so leicht möglich ist. Es muss ja wieder jemand gefunden werden, der mehr Raum zur Verfügung hat. Und selbst lässt sich das große Stück meist nicht einmal mehr im Keller unterbringen.
- Es erweist sich immer wieder als Vorteil, wenn man intensive Kontakte zu einem Händler hat und diesen zum Händler seines Vertrauens macht. Er kennt dann das Sammelgebiet und wird den Interessenten wie einen guten Kunden behandeln - ihm also keine schlechten Stücke andrehen oder sich die Ware überbezahlen lassen.
- Ein Verkäufer wird Ihnen mehr Respekt entgegenbringen und Sie auch besser beraten, wenn er merkt,
dass Sie über das Sammelgebiet Bescheid wissen. Dazu können Bücher eine wertvolle Hilfe sein.
- Fragen Sie ruhig, oder der Händler mit dem Preis noch heruntergeht. Die Frage ist schnell gestellt, und manchmal wird sie wirklich bejaht. In Zeit umgerechnet bedeutet das: So schnell kann man gar kein Geld verdienen.
- Die größten Preissteigerungen erzielen meist Sammler, die gegen den Modetrend kaufen. Sie suchen sich Sammelgebiete heraus, die noch kaum entdeckt sind. Damit können Sie schöne Stücke zu verhältnismäßig geringen Preisen einkaufen. Die jüngste Geschichte auf dem Antiquitätenmarkt hat gelehrt,
dass alles irgendwann einmal gesammelt wird, je mehr Sammler sich auf ein Gebiet stürzen, um so schneller gehen dann die Preise nach oben, und um so radikaler werden die Märkte leergefegt.
- Ständige Marktbeobachtungen ist wichtig. Der gute Sammler wird sich häufig auf Messen, Märkten, Auktionen und in den Geschäften informieren, um so ein Gefühl für die Preise zu bekommen.
- Der Besuch von Museen hilft dem Sammler, ein Auge für Qualität zu bekommen. Museen kaufen bekanntlich die besten und schönsten Stücke.
- Jeder freut sich über eine günstig erworbene Antiquität und rechnet auch mit der bisher erzielten Wertsteigerung. Doch sollte man sich immer vor Augen halten,
dass derartige Rechnungen nur Spekulationen sind. Die wahre Wertsteigerung stellt sich erst heraus, wenn die Antiquität wirklich verkauft wird.
Quelle: Kerler, Richard: Trödel, Raritäten, Kuriositäten sammeln
(nur noch antiquarisch erhältlich)
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