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Die bunte Welt im Pappkarton
Stafette rät: Sammelt Prospekte
Wenn wir uns nicht im klaren darüber sind, was „Stafette" hier meint, nehmen wir ein Lexikon zur Hand und schlagen unter dem Buchstaben „P" - Prospekt - nach. Dort erfahren wir, daß das Wort aus der lateinischen Sprache kommt und soviel bedeutet wie „Fernsicht, Aussicht".
Punkt „l" nennt uns das Wort „Prospekt" im Zusammenhang mit dem Bank- und Börsenverkehr der Kaufleute. Große Firmen zum Beispiel sind verpflichtet, ihre gesamten Vermögensverhältnisse in einer Zeitung zu veröffentlichen, wenn sie ihr Geschäftskapital erhöhen und daher neues Geld aufnehmen wollen. Diese Veröffentlichungen („Prospekte"), die wir also von Zeit zu Zeit in größeren Zeitungen abgedruckt finden können und die höchstenfalls die Kaufleute interessieren, meinen wir nicht. - Auch meinen wir nicht solche „Prospekte", die uns das Lexikon unter Punkt „2" (Malerei und Graphik) aufzeichnet, nämlich die wirklichkeitsgetreue und perspektivische Darstellung von Stadtansichten oder Landschaftsausschnitten, bei der die sachliche Wiedergabe wichtiger ist als der künstlerische Ausdruck des Malers.
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Klar, daß man so etwas sammeln kann und daß sich das auch lohnt - aber heute schlägt uns „Stafette" das Sammeln einer Gruppe vor, die wir im Lexikon unter Punkt „3" (Werbung) finden können. Da steht: „Solche Prospekte sind Druckschriften, die eine gedrängte, möglichst erschöpfende Darstellung eines Werbeinhalts enthalten."
Werbeprospekte gibt es für alle möglichen Dinge, mitunter schneien sie uns geradezu durch den Briefkastenschlitz ins Haus. Waschmaschinen, Kühlschränke, Radio- und Fotoapparate, Kugelschreiber, Teppiche, Honigsorten, Weine sollen unsere Eltern kaufen, so wünschen es die Absender. Aber die Eltern sind klug und kaufen nur, was sie wirklich brauchen und wofür das Geld reicht. Sehr viele Prospekte wandern ungelesen in den Papierkorb. Lassen wir sie darin liegen! |
Begeben wir uns lieber in ein Reisebüro! Wir kennen doch diese Geschäfte, in denen man Fahrkarten in alle Richtungen der Welt besorgen kann. Die Angestellten dort sind sehr freundlich und händigen uns auf Wunsch hin gegen eine geringe Gebühr Werbeschriften der verschiedensten Gegenden Deutschlands, ja Europas aus, die so schön sind, daß man tatsächlich von ihnen begeistert ist.
| Sicher ist uns bekannt, daß viele Gegenden geradezu vom Fremdenverkehr leben. Die dortigen Fremdenverkehrsbüros bemühen sich, recht viele Menschen anzuziehen. Auch uns wollen sie mit ihren Werbeblättern veranlassen, unsere Fahrten dahin zu lenken oder gar die Ferien dort zu verbringen. Darum entwerfen sie diese Blätter so bunt. Sie bebildern sie mit den besten Fotos der Gegend und schreiben kurz dazu, was dort wichtig, schön und verlockend ist.
Berühmte Künstler und Graphiker müssen vorher wochenlang darüber nachdenken) wie sie solch einen Prospekt gestalten sollen, damit ihn der Empfänger nicht sofort in den Papierkorb wirft, sondern aufbewahrt, am besten über Jahre hinaus. |
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Das also sind die „Fernsichten", die wir meinen, mit denen wir von unserem Wohnzimmersessel aus gemütlich hinaussehen können in die schönsten Gegenden der Welt, wobei uns ganz nebenbei gesagt wird, was die Menschen dort tun, wie schön die Landschaft ist, wie zahlreich die Bauwerke sind, an denen die Geschichte jahrhundertelang gearbeitet hat.
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Unsere Sammlung reicht vom nördlichsten Schweden bis zum südlichsten Afrika. Wir haben eines der schönsten Faltblätter, das der Fremdenverkehrsverband Nordmark in Hamburg über die Niederelbe herausgegeben hat, unter eine gläserne Schreibtischplatte gelegt. Blau schlängelt sich der schöne Eibstrom durch das Gelbgrün der Marschwiesen und Geestfelder. Rotweiße Leuchttürme und dunkle Werften stehen an seinen Ufern, Pferde und Kühe weiden auf den Wiesen.
Die Ortschaften sind durch malerische Fachwerkhäuser, alte Kirchen und Schlösser gekennzeichnet. Vor der Elbemündung schaukelt das Feuerschiff Elbe III im blauen Nordseewasser, große Dampfer ziehen am alten Neuwerker Turm vorbei nach Hamburg. Wir betrachten gern dieses schmucke Bild. Wie ist die Welt doch schön! |
Aber den Hauptteil unserer Sammlung haben wir in Pappkästen untergebracht. Wer sich für diesen Zweck nicht selber Sammelkästen „nach Maß" basteln will, kann sich leicht die geeigneten Schachteln besorgen. Besonders gut eignen sich zum Beispiel Versandkartons für Margarine, Seifenpulver usw. Sie sind geräumig und stabil, und der Kaufmann gibt sie meist gern ab. Auch Schuhschachteln lassen sich gut verwenden. Selbstverständlich sollen die Kästen hübsch aussehen. Sie werden deshalb mit einem Tapetenrest oder Buntpapier überzogen. Wir wollen solche Prospekte, die sich mit geringen Abweichungen an genormte Größen halten, wie Karteikarten stehend und alphabetisch geordnet in die Kästen einordnen. Zur besseren Gruppierung trennen wir Deutschland von Europa und den übrigen Erdteilen. Den schmucken Prospekt mit den Tanzmasken aus Belgisch-Kongo finden wir beispielsweise in einem Fach mit der Aufschrift „Afrika". Das ist nur ein stärkeres Pappstück mit einem Beschriftungs zettel, das wir zwischen die Faltblätter gestellt haben und immer wieder verschieben und umstecken können. Die Provence finden wir im Fach „Europa", unter dem Buchstaben „F" (Frankreich).

Übrigens werden alljährlich neue Prospekte verlegt und herausgegeben, in manchen Gegenden auch getrennt nach Sommer- und Winterzeit. Wenn wir also das Taschengeld sparen wollen, so bitten wir das Reisebüro um die vorjährigen Stücke. Die kosten nämlich meistens nichts. Auch wenn wir im Sommer die Winterprospekte und im Winter die letzten Sommerprospekte einholen, können wir manchen Groschen sparen.
Viel Vergnügen und reiche Beute!
Gert Lindner
Aus
"Stafette"
2. Mai-Heft 1959
Bilder der Reise-Prospekte mit freundlicher Genehmigung von
www.Heimatsammlung.de