Einer der letzten Retter der "Philetta"
Einer der letzten Retter der "Philetta" - Siegfried Weichmanns Leidenschaft für historische Radios
von Gunnar von der Geest
"Ich bin ein Rundfunkempfänger für 4 Wellenbereiche, besitze in meinem Inneren 5 Röhren, 18 Kreise, 1 Lautsprecher und viele kleine Teile. Bei meiner Benutzung bitte ich, mir einige Wünsche zu erfüllen. Stelle mich nicht direkt an die Wand, ich brauche Luft zur Kühlung. Ziehe vor dem Abnehmen der Rückwand den Stecker aus der Steckdose, sonst kannst Du Dich elektrisieren." Mit diesen Worten beginnt 1961 die Gebrauchsanleitung für ein Radio, Typnummer B2D13A. Und weiter heißt es: "Großer Knopf: Nach links gibt's Baß, nach rechts Tenor – ganz nach dem Wunsch von Deinem Ohr. Kleiner Knopf: Der Zeiger sagt, auf welchen Stellen wir empfangen die längeren Wellen." Es war die Zeit, als technische Geräte noch eine Seele hatten. So manche alte "Philetta" von Philips schlummert nun in Kellern und auf Dachböden. Ein Mann aus Reinbek nahe Hamburg erweckt sie wieder zum Leben.
Reparatur mit Improvisationstalent
„Ich habe in meinem Berufsleben Hunderte ‚Philettas’ vor der Müllpresse“ gerettet“, sagt Siegfried Weichmann stolz. Seit mehr als fünf Jahrzehnten begleitet die legendäre Rundfunkgeräte-Serie den 70-Jährigen in seiner Werkstatt. Glänzende Augen bekommt er, wenn ihm ein Kunde den „Kassenschlager“ des deutschen Wirtschaftswunders ins Geschäft bringt. Schaltpläne benötigt er zum Reparieren keine: "Die meisten Nostalgie-Radios kenne ich aus dem Effeff. Und sonst hilft Improvisationstalent“, erklärt er lächelnd. „Das habe ich von meinem Vater geerbt.“
Dieser eröffnete 1929 in Willenberg ein Geschäft, in dem es nicht nur gewöhnliche Elektroartikel zu kaufen gab. "Mein Vater war ein Tausendsassa", sagt Siegfried Weichmann. Im Angebot waren neben Radios und Nähmaschinen auch Fahrräder und Kinderwagen. Später legte sich Georg Weichmann noch eine Tankstelle samt Autovermietung zu. 1944 musste die Familie aus Ostpreußen flüchten und zog nach Wentorf (Schleswig-Holstein). 1949 öffnete der Laden erneut seine Türen; der Vater baute anfangs die Radios selbst.
Alte Radios mit Charme
"Moderne High-Tech-Elektronik ist eine tolle Sache. Für einen Bastler wie mich haben historische Geräte aber mehr Charme", erklärt Siegfried Weichmann. „Jahrelang hat er eifrig ‚Philettas’ gesammelt und teilweise in seinem Geschäft ausgestellt. „Auf die Dauer nahmen sie aber zu viel Platz weg. Außerdem möchte ich ja neue Elektroartikel verkaufen“, schmunzelt der sechsfache Großvater, der noch immer fünf Tage pro Woche hinter dem Tresen steht bzw. in seiner Werkstatt schraubt und lötet. Mehr als über ein neues Sammelstück freut er sich heute darüber, wenn er einem Kunden, der mit ihm die Leidenschaft für historische Radios teilt, dessen Gerät wieder zum Klingen bringen kann. „Ich bin erstaunt, wie viele Leute zu Hause noch eine ‚Philetta’ stehen haben und sich von diesem schönen Teil nicht trennen mögen“, sagt er.
Bilder
Siegfried Weichmann hat viele Epochen in der Unterhaltungselektronik erlebt. Drei alte "Philettas" aus den 50er und 60er Jahren stehen als Blickfang im Regal.
Fotos: von der Geest
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Die "Philetta" (1941-1968) war jahrelang das meistverkaufte Radio in Deutschland. Ein Gerät kostete zwischen 170 und 230 Mark. Fotos: von der Geest
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Aktualisiert ( Donnerstag, 02. April 2009 um 10:14 Uhr )





