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Hummelfiguren Einführung- Über Berta Hummel und ihre Hummelfiguren

Hinweise von google
Coburger "Hummeln" fliegen in die Welt

Schäfer In zahllosen Wohnungen der Welt, in Vitrinen, Schrankdielen, auf Regalen und Tischen findet man immer wieder jene reizvollen kleinen Steingutplastiken, die als "Hummelfiguren" seit jetzt genau 20 Jahren groß und klein erfreuen.

Nicht minder bekannt und beliebt sind die "Hummelkarten" mit ihren heiter-besinnlichen Gestalten, die mitten aus dem Leben herausgegriffen und deshalb so herzerquickend natürlich und liebenswert sind.

Wer hat alle diese Gestalten, das "Geigerlein", den "Wanderbursch", die "Blumenmadonna" und viele, viele andere mehr erdacht und in einer künstlerisch so bezaubernden Form festgehalten?

Ihre Schöpferin war die im Jahre 1946 als "Klosterschwester Innocentia" gestorbene Berta Hummel, 1909 im niederbayerischen Massing an der Rott geboren.

Das Zeichnen lag den Hummels von jeher im Blut. Niemand in ihrer Familie wunderte sich also, dass Berta schon als kleines Mädchen jedes nur erreichbare Stückchen Papier mit Bleistift und Farbstift bemalte.

Eine große Künstlerin zu werden — das war damals schon ihr Ziel. Mitschülerinnen und Lehrerinnen hatten ihre helle Freude an den phantasievollen Gebilden, die die zarten Kinderhände auf die Schultafel zauberten. Und der Ruhm des "Wunderkindes" wuchs, als es seine Mitschülerinnen mit naturgetreuen Porträts überraschte.

Selbstporträt

Berta Hummel

1927 erfüllte sich ein Herzenswunsch:

Berta Hummel bezog die Staatliche Kunstgewerbeschule in München. Das "Hummelchen" aus dem Rott-Tal lernte fliegen. In zwei kurzen Jahren wurde mitgenommen und zu Papier gebracht, was Schule und frohes Leben in der kunstbeflissenen Stadt boten. Die harmlose Heiterkeit verließ die junge Künstlerin nicht, als sie in das Exil bei den Schwestern der Heiligen Familie in der Münchner Blumenstraße zog, um dort in der Kunstklasse ihre Studien mit einem glänzenden Examen abzuschließen.

Das Ziel war erreicht, die Welt stand einer begnadeten Künstlerin offen. Berta Hummel aber kehrte ihr den Rücken just in dem Augenblick, der ihr die Erfüllung ihres Lebenswunsches brachte. Das heitere, gesunde, künstlerisch hochbegabte Menschenkind folgte dem innigen religiösen Zug, der in ihrem Herzen immer dicht neben der heiteren Ausgeglichenheit gewohnt hatte, und trat als Novizin bei den Franziskanerinnen im Kloster Süßen im Württembergischen ein. 1934 nahm Berta Hummel den schwarzen Schleier und wurde zur Schwester M. Innocentia.

Schaffner Die Klosterzelle hat das künstlerische Schaffen des "Hummelchen", wie man sie in Freundeskreisen nach wie vor nannte, nicht gehemmt, sie hat es nur ein wenig in eine andere Richtung gelenkt. Neben der zarten, innigen Heiterkeit und der erdhaften, lebensechten Wirklichkeit, die all die weltbekannten Hummel-Kinder- und -Märchenbilder erfüllen, hat schon immer das Erhabene ihre Werke gekennzeichnet. Das "Hummelchen" malte mit unübertroffener Meisterschaft in seinen kleinen Stilleben schlotternde, geflickte Bubenhosen, ruppige Mädchenzopfschwänzlein, abgerutschte Strümpfe und klobige Stiefel, und immer haben seine Kinder tellergroß aufgerissene, erschrockene Augen. Das "Geigerlein", der "Wanderbursch", die "Hexe", der "Heuschreckenschütz", das "Pärchen unter dem Regenschirm" und wie alle die Bilder heißen, die uns wieder ins Kinderland zurückführen, sie und die zahlreichen gelungenen Karikaturen offenbaren die eine Seele des "Hummelchen", die Madonnen- und Heiligenbilder die von tiefer religiöser Ergriffenheit erfüllte andere.

Vor zwanzig Jahren hat eine Coburger Porzellanfabrik die Hummelkarten zu "Hummelfiguren" umzugestalten begonnen. 1935 erschienen sie zum ersten Male auf der Leipziger Messe. Von da an datiert ihr Siegeszug durch die ganze Welt. Fast 300 Kinderfiguren wurden seitdem nach den Zeichnungen des "Hummelchen", zum großen Teil noch unter ihrer Mitwirkung, modelliert, und heute noch werden nach ihren Entwürfen immer neue Figuren geschaffen.

Es ist ein weiter Weg von dem Mann, der im Keller des Werkes die Steingutmasse aufbereitet, bis zu den bunten "Hummeln", die in der Packerei ihren Flug in die Welt bis zum fernen Neuseeland antreten. Jede Figur muss über zweihundertmal in die Hand genommen werden, bis sie so reizend aussieht, wie wir sie kennen. Die in Stücken in Gipsformen gegossene Figur passiert nach dem Zusammensetzen dreimal den Tunnelofen.

Das erstemal wird sie als Weißstück bei 900 Grad gebrannt, das zweitemal wird ihr bei 1400 Grad die Glasur eingebrannt. Dann kommen die Maler an die Reihe. Sie sind, Saal für Saal, auf bestimmte Teile des "Anzugs" der Hummelfiguren spezialisiert. Geschickt müssen die Hände schon sein, die den drolligen Figuren die bunten Kleidchen mit Pinsel und Farbe anziehen. Am schwierigsten aber ist das Malen des Gesichts, mit dem die Hummelfigur ja erst ihre charakteristische Prägung erhält. Allein dazu wird jede Figur siebenmal zur Hand genommen. Man muss schon höllisch aufpassen, dass die typischen tellergroßen blauen Augen nachher nicht schielen! Aus dem Malersaal kommen die Figuren noch einmal zum Schmelzbrand, der ihnen bei 700 Grad Hitze den letzten Glanz verleiht. Kindergruppe

Seit den großen Erfolgen der Walt-Disney-Filme auch in Deutschland haben die Hummelfiguren Gesellschaft bekommen. Bambi und Klopfer, die bezaubernden Tierchen aus "Schneewittchen" und "Aschenbrödel", sind neben den "Hummeln" zu Exportartikeln geworden, die Devisen in erfreulicher Zahl nach Deutschland bringen.

aus Ratgeber für Haus und Familie
Nr. 9 September 1954

Bei der im Artikel genannten Coburger Firma handelt es sich um die Firma Goebel, die auch heute noch die Hummel-Figuren herstellt.

Homepage:
http://www.goebel.de


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