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Die sogenannten Delfter Kacheln
Wandfliesen aus den Niederlanden
Die hübschen sogenannten Delfter Kacheln mit dem meist einheitlichen Format von 13 x 13 cm sind ein in den letzten Jahren immer beliebteres Sammelgebiet geworden. Das liegt vielleicht daran, daß man die Liebhaberei für diese anmutigen, ausnahmslos handgemalten Fayence-Platten aus dem 17. Jahrhundert als zugleich wohnliche und kostbare Zimmerdekoration verwenden kann.
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Streng genommen heißen jedoch diese Kacheln heute eigentlich, nach einer Festlegung des deutschen Normenausschusses »Fliesen«, während mit Kacheln nur die für Öfen verwendeten Platten bezeichnet werden sollen. Und die meisten stammen auch nicht aus Delft. Denn neben den seit dem 17. Jahrhundert bestehenden berühmten Fayence-Manufakturen in der holländischen Stadt Delft, die das bekanntemit Delfter Blau bemalte Delfter Zeug: Teller, Schüsseln, Gefäße — und Wandfliesen herstellten, gab es in den Niederlanden Dutzende ähnlicher Manufakturen, vor allem in Friesland, die zwischen 1650 und 1850 Millionen holländischer Wandfliesen vornehmlich in die norddeutschen, skandinavischen und selbst baltischen Küstenländer exportierten. |
Hier haben sie dann in Bauern- und Fischerhäusern, besonders aber in den Wohnungen der Seeleute und Kapitäne ihren Platz an den Wänden der Wohnstuben gefunden, wo sie vor wenigen Jahrzehnten noch in Fülle anzutreffen waren. Einige solcher Häuser, vor allem auf den Nordseeinseln, sind mit ihren Fliesenwänden erhalten und oft als Sommerwohnungen wohlhabender Stadtbewohner restauriert worden. Die beim Abbruch solcher Häuser anfallenden Fliesen aber sind weitgehend in die Hände von Sammlern und Händlern gekommen, und man findet sie überall in den Antiquitätengeschäften.
Gab es jedoch bis vor etwa zwanzig Jahren kaum Preisunterschiede zwischen den einzelnen Fliesen, so hat sich heute entsprechend dem Alter, der Qualität der Ausführung, dem Erhaltungszustand und den dargestellten Motiven ein bestimmtes Preisgefüge herausgebildet. Am schwersten ist das Alter zu bestimmen, da die Schablonen, nach denen gearbeitet wurde, oft viele Jahrzehnte lang verwendet wurden. Im allgemeinen sind die dicksten Fliesen die ältesten und die teuersten. Schwer zu erkennen sind die heute auch viel im Handel befindlichen Fälschungen, bei denen echte alte, aber unbemalte Fliesen neu bemalt und nachgebrannt werden. Das ist besonders bei sogenannten Tableaus, zusammenhängenden Bildern aus mehreren Einzelfliesen, der Fall. |
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Immer, wenn Fliesen sehr gut erhalten und kaum angestoßen sind, ist daher Skepsis angebracht. Größere echte Tableaus ohne irgendeine zerbrochene Einzelfliese gibt es praktisch nicht, da das Ablösen von den Wänden kaum möglich ist, ohne daß einmal ein Stück zerbricht.
Am beliebtesten (und teuersten) sind Darstellungen von Schiffen, es folgen sorgfältig ausgeführte Landschaftsdarstellungen und biblische Szenen, Bilder von Blumen, Tieren, Darstellungen von Handwerkern und Kinderspielen und schließlich die am häufigsten vorkommenden, aber auch schon bis zu zwanzig Mark bewerteten sogenannten Bloempotjes, die Blumenvasen mit drei Blüten im runden Medaillon. Dies alles gilt für die durchschnittlichen, einfarbigen Fliesen im »Delfter Blau« und ebenfalls für die in violetter Manganglasur gemalten. Entsprechend höher bewertet werden die meist vor 1700 entstandenen und meist sehr dicken mehrfarbigen oder polychromen Fliesen, die meist Blumenoder Früchtedarstellungen haben.
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Es gibt eine schöne Art, eine Fliesensammlung unterzubringen: Man befestigt an der Rückseite mit einem guten Kleber wie Pattex die in Papier- und Bildereinrahmungsgeschäften erhältlichen Aufhängungösen für Bilderrahmen und hängt an diesen die Fliesen dicht an dicht an die Zimmerwand oder über den Kamin. Dann erscheint die entsprechende Fläche wie eine richtiggehend gekachelte Wand, und man hat jederzeit die Möglichkeit, auszuwechseln, zu tauschen oder beim Umzug aus der Wohnung die ganze »Fliesenwand« mitzunehmen. Im eigenen Haus dagegen wird man sicherlich irgendwann seine »Sammlung« vom Fliesenleger an einer geeigneten Stelle zum festen Bestandteil eines Wohnraumes machen. |
| Quelle Hans Jürgen Hansen: "Sammeln macht Spaß" Deutscher Bücherbund 1976 nur noch antiquarisch erhältlich |