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Büromaterial sammeln - Die Büroklammer

Dieser Artikel widmet sich der Büroklammer, einem kleinen aber keineswegs unbedeutenden Helfer bei der Büroarbeit.

Bunte Plastikklammern

Bunte Büroklammern

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Büromaterial - Die Büroklammer
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Die Büroklammer

Im März 1985 ist Victor Farris mit 75 Jahren in Palm Beach im US-Staat Florida gestorben. Farris war Selfmademan, Fabrikant und Erfinder. Über 250 Patente hat er im Laufe seines Lebens in den USA und Europa angemeldet.

Büroklammer
Büroklammer
Von seiner erfolgreichsten Schöpfung soll hier die Rede sein. Wieviel Geld er damit verdient hat, ist schwer festzustellen; eines jedoch ist sicher: man kennt diese Erfindung überall auf der Welt. Benutzt wird sie im Osten wie im Westen, in den Metropolen und in den letzten Winkeln der Erde. Nicht vom Transistor, vom Microchip oder vom Penicillin ist hier die Rede, sondern von der Büroklammer! Überall, wo es lose Blätter gibt, wird dieses unscheinbare Ding gebraucht.

Man stelle sich die Redaktion eines Universallexikons vor und den Riesenberg der metallenen Ordnungsstifter, die für ein solches Unternehmen benötigt werden. Man fahndet jedoch vergeblich in den Registern dieser umfangreichen Bände nach ihnen:

Weder »Clip« noch »Paperclip« sind in der Encyclopedia of America zu finden, und La grande encyclopedie Larousse schweigt sich genauso über »Agrafe« oder »Attache« aus wie die Brockhaus Enzyklopädie und Meyers Enzyklopädisches Lexikon über die »Büro- oder Briefklammer«. Offenbar ist dieses unentbehrliche Hilfsmittel keiner Erwähnung wert!

Unter den Stichworten »Bürogehilfin«, »Bürogroßraum«, »Bürohaus« und »Bürokratie« findet man dagegen mehr oder weniger ausführliche Abhandlungen, ebenso Abbildungen verschiedener Büromaschinen, die übrigens, sind die Lexika älter als zehn Jahre, inzwischen schon alle auf dem Schrottplatz oder bestenfalls im Museum gelandet sein dürften. Eine Abbildung der Büroklammer, selbst aus der Vorkriegszeit, wäre heute noch aktuell, denn ihr einfaches Design bedurfte keiner Verbesserung. Auch Nachbildungen aus Plastik und lackierte Exemplare, die keine unerwünschten Rostspuren auf dem Papier hinterlassen, sind der Grundform treu geblieben: ein pfiffig zurechtgebogenes Drahtstückchen, dessen zwei verschieden große Glieder in Spannung zueinander stehen. Aber Vorsicht! Überspannt man den Bogen und mutet dieser Konstruktion einen zu großen Papierpacken zu, kapituliert sie und lässt die Blätter fahren. Dann hilft nur eine größere Klammer.

Unter den Stichworten »Bürogehilfin«, »Bürogroßraum«, »Bürohaus« und »Bürokratie« findet man dagegen mehr oder weniger ausführliche Abhandlungen, ebenso Abbildungen verschiedener Büromaschinen, die übrigens, sind die Lexika älter als zehn Jahre, inzwischen schon alle auf dem Schrottplatz oder bestenfalls im Museum gelandet sein dürften. Eine Abbildung der Büroklammer, selbst aus der Vorkriegszeit, wäre heute noch aktuell, denn ihr einfaches Design bedurfte keiner Verbesserung. Auch Nachbildungen aus Plastik und lackierte Exemplare, die keine unerwünschten Rostspuren auf dem Papier hinterlassen, sind der Grundform treu geblieben: ein pfiffig zurechtgebogenes Drahtstückchen, dessen zwei verschieden große Glieder in Spannung zueinander stehen. Aber Vorsicht! Überspannt man den Bogen und mutet dieser Konstruktion einen zu großen Papierpacken zu, kapituliert sie und lässt die Blätter fahren. Dann hilft nur eine größere Klammer.

Das Konkurrenzprodukt zur Büroklammer ist die Heftklammer. Aber die mit Hilfe einer Heftmaschine verbundenen Blätter lassen sich wie die Seiten eines Buches nicht ohne Beschädigung in eine neue Reihenfolge bringen. Dagegen besteht die durch die Büroklammern geschaffene Ordnung auf Widerruf.

Alles, was mit dem Büro zusammenhängt, ist einem gewissen Spott ausgesetzt; der Vorwurf lautet Schematismus und Starrheit gegenüber allen Neuerungen. Die Büroklammer braucht diese antibürokratische Kritik nicht hinzunehmen, denn zu ihrem Wesen gehört Flexibilität und die Fähigkeit, sich auf neue Situationen einzustellen. Einmal getroffene Anordnungen sind mittels der Büroklammer jederzeit revidierbar.

Plastikklammern
Bunte Plastikklammern
Mannigfaltig lässt sich die Büroklammer auch zweckentfremden: zum provisorischen Schlüsselbund, zum Kosmetikutensil, zur Reinigung der Fingernägel oder — zurechtgebogen — zum kleinen Universalwerkzeug. Kinder hängen mehrere Klammern aneinander und erhalten so Armbänder und Halsketten. Größere Kinder verwandeln die Klammern in Munition, die sie mit Gummiringen, die sie ebenfalls in Büros finden können, abfeuern.

Aber auch in der »großen« Geschichte der Waffentechnik taucht die Büroklammer auf. Unter dem Geheimcode »Operation paperclip« lief eine Kampagne der US-Army, in der zwischen 1945 und 1955 nahezu 1000 deutsche und österreichische Wissenschaftler in die Vereinigten Staaten geschafft wurden, um ihr militärtechnisches Wissen auszubeuten. Warum ausgerechnet die Büroklammer für die Namengebung dieser Aktion herhalten musste, ist schleierhaft.

Schlichtmodell
Schlichtmodell
Gebraucht werden die Büroklammern nicht zuletzt als Nervenberuhigungsmittel, vergleichbar den Spielkettchen im Orient. Nach anstrengenden Konferenzen oder wichtigen Telefongesprächen liegen sie auf Tischen und in Aschenbechern — arg verknäult und verbogen.

Klaus Bergmann
aus: Die Galerie der kleinen Dinge
Kleines Kulturgeschichtliches ABC

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