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Bestecke sammeln - Eine Einführung

Hier finden Bestecke-Sammler eine Einführung zum Thema Ess- und Tafelbestecke sammeln.

Besteck

Altes Besteck

Hinweise von google
Hinweise von google
»Gott behüte mich vor Gäbelchen, sie macht drei Löcher« - so entsetzt wies Luther das Teufelswerkzeug, die Gabel, von sich, als sie zur Renaissancezeit gerade anfing, ihren Einzug in Deutschland zu halten. Messer, Gabel, Löffel - für uns eine selbstverständliche Dreiheit - erschienen erst nacheinander auf dem Esstisch der Zeiten. Zuerst war der LÖFFEL da. Der hohlen menschlichen Hand, Werkzeug der Natur, nachgebildet, erschien er überall dort als erstes Essgerät, wo menschliches Leben sich zu rühren begann. Umgeformte Muscheln, bearbeitetes Bein, Holz oder Ton - so fing es an, und später kamen Bronze, Silber, Zinn und Elfenbein hinzu.

Holzlöffel
Türkischer Holzlöffel mit Futteral
Löffel - das Wort kommt von »Laffe« = Lippe, und als Laffe bezeichnet man noch heute den Teil des Löffels, der zum Munde geführt wird. Er hat sich in seiner Gestalt wenig gewandelt. Der Esslöffel des Mittelalters, meist aus Holz, hat eine runde Laffe und einen kurzen Stiel. Erst später, als die Tischsitten sich verfeinerten (vom Ende des 17. Jhs. an) und der Löffel nicht mehr mit der ganzen Faust angefasst wurde, als man anfing, ihn geziert und elegant mit drei Fingern zum Munde zu führen, kamen die langen Stiele in Mode. Etwa in dieser Zeit fingen die Laffen auch an, sich vom Rund zum Oval hin zu formen.

Schon sehr früh entwickelten sich Sonderformen des Löffels, die den verschiedenen Funktionen gerecht wurden. Der Marklöffel mit der langen schmalen Laffe (aus einem dünnen Röhrenknochen hervorgegangen!) war schon den Menschen der Vorzeit bekannt und wurde bis ins 19. Jh. hinein im Reisebesteck mitgeführt. Später kamen Schöpflöffel, Sieblöffel, Saucenlöffel hinzu. Erst das 19. Jh. jedoch entwickelte das raffinierte Instrumentarium von Suppen-, Dessert- und Teelöffeln, das heute von keinem gedeckten Tisch mehr wegzudenken ist. Der Holzlöffel blieb auf dem Lande noch bis ins 19. Jh. hinein nicht nur Küchen- sondern auch Essgerät.

Silberne Löffel waren im späten Mittelalter nur Fürstlichkeiten und anderen hohen Personen vorbehalten; der einfache Bürger speiste immer noch mit dem Holzlöffel, hin und wieder auch mit Zinnlöffeln. »Spoon«, der englische Name für den Löffel, deutet von »Spann«, dem Holzspan kommend, auf das zu allen Zeiten gebräuchlichste Löffelmaterial hin!
»Er gehe mit schönem, geradem Leibe und holdseligem Angesicht zu der Tafel, küsse die Hände, mache eine Reverenz, fasse die Messer...« - so zu lesen in einem »Trincierbüchlein« des Jahres 1652. Das Tranchieren gehörte zu den Künsten, die, in Italien vollendet, ein Edelmann des 16. Jhs. ebenso zu beherrschen hatte wie Reiten und Fechten.

Der Vorschneider war am Hofe einer der bestbezahlten Bediensteten. Kein Wunder, es gehörten wahrhaft artistische Fähigkeiten dazu, um einen Braten »in der Luft« zu zerlegen, wie es damals gefordert wurde. Der linke ausgestreckte Arm hielt den dampfenden Braten, an der Gabel aufgespießt, und mit der Rechten musste das Geschäft des Zerlegens schnell und kunstvoll besorgt werden »ingleichen das er zu den motionibus im schneiden sich nur den zweyen fördersten gelencke an Händen, da die Pulse schlagen, gebrauche, und unter dess die Arme mit ihren Ellebogen ruhen lasse, und welches sonderlich abschewlich stehet, sie nicht weit vom Leibe sperre...«

Küchenmesser
Messer
In dieser Zeit erfuhr das Tranchiermesser seine prunkvolle Ausarbeitung, es hatten sich umfassende Tranchierbestecke ausgebildet, zu denen auch Vorlegegabeln, Kredenzmesser und Marklöffel gehörten. Das Tischmesser, eine verkleinerte Ausgabe des Tranchiermessers, pflegte man im Mittelalter und bis ins 18. Jh. hinein noch selbst zu Tisch mitzubringen. Man besteckte (daher der Name »Besteck«!) mit ihm die Dolch- oder Degenscheide. Führte man zuerst nur das Messer mit sich, so fügte man später auch noch Löffel und Gabel hinzu. Frauen trugen ihre Besteckfutterale neben dem Schlüsselbund am Gürtel.

Altes Besteck
Besteck
Das MESSER hat sich in seiner Form nicht stark verändert. Die Klingen der Bronzezeit (welche die behauenen Feuersteine der Steinzeit ablösten) haben eine erstaunliche Ähnlichkeit mit heutigen Messerformen. Die schmale, spitze Klinge, die noch bis zum Ende des i7.Jhs. üblich war, erinnert daran, daß dieses Essgerät sehr lange die Funktion einer Gabel auszuüben hatte. Man spießte zuvor zerschnittene Fleischstücke damit auf und führte sie zum Munde.

Erst später rundete sich das Messerende, der Griff wurde gebogen und legte sich gefällig in die Hand. Griffe aus Hörn, Elfenbein, Porzellan, Achat, Silber und Gold luden zu kostbarer Verzierung ein. Augsburger Ornamentstecher und Goldschmiede des 18.Jhs. schufen herrliche Bestecke, die von Tafelaufsätzen, Platten, Kannen, Schüsseln und Leuchtern umgeben, die prunkvollen Tafeln des Absolutismus schmückten.

Als eine griechische Prinzessin zu Ende des 10. Jhs. in Venedig mit Gabel und Löffel speiste, erregte dies großes Aufsehen. Hundert Jahre später setzte sich diese Sitte beim Adel Venedigs durch, doch erst im 16. Jh. greift man in Mitteleuropa zögernd zu diesem Zweizink, der so fatal an des Teuf eis Forke erinnert! Bis dahin verwendete man die Gabel in der Küche als Bratspieß und bei Tisch zum Tranchieren. Wie zögernd sie ihren Einzug in Deutschland hielt, zeigt der Silberschatz einer Nürnberger Patrizierfamilie zu Beginn des i7.Jhs., der wohl 27 Löffel, jedoch nur eine einzige Gabel enthält! Erst Anfang des i8.Jhs. war sie allgemein zum Bestandteil des Bestecks geworden, zuerst, nach italienischem Vorbild, dreizinkig und später, der französischen Mode folgend, auch vierzinkig. Auch bei ihr, der anfangs noch die Steifheit und Spitzigkeit des Bratspießes anhaftete, machte sich im 17. Jh. ein Formwandel bemerkbar: sie fing an, sich der Hand anzuschmiegen, ihre Zinken wölbten sich und passten sich der Funktion des Löffels an.

Lydia Dewiel:
Das kleine Buch der Antiquitäten für stillvergnügte Sammler, Heimeran 1966

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