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Bälle sammeln - Einführung und Kurzinformation - Bälle wollen fliegen

Dieser Artikel schildert die Geschichte des Balls und der Ballspiele.

Japanische Ballspieler

Ballspiel im alten China

Hinweise von google
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Bälle wollen fliegen

Müde vom Umhertollen hatten sich Renate und Jutta am Rande der Wiese ausgestreckt. Sie träumten in den Himmel, und der gelbe und der rote Ball, mit denen sie eben noch gespielt hatten, lagen zwischen ihnen.

„Nun bin ich doch schon dreizehn Jahre alt", sagte Jutta, „und immer noch gehören Bälle zu meinen liebsten Spielsachen."

Gymnastik mit Bällen Oh, liebe Jutta, das verwundert uns gar nicht. Und wenn du eines Tages dreißig Jahre alt bist, wirst du hoffentlich auch dann noch gerne mit einem Balle spielen. Zwar wird es dann nicht mehr der dicke rote sein, der hier neben dir im Grase liegt, aber vielleicht ein kleiner, weißer, fester Tennisball oder ein größerer Gymnastikball.

Mit Bällen kann man in jedem Alter spielen. Und niemand wird dich auslachen, weil du dich mit dreizehn Jahren noch an der Rundheit und an der Handlichkeit deines Balles erfreust. Wie viele Menschen auf der ganzen Welt haben das schon vor dir getan, und wie viele werden es noch nach dir tun!

Neulich besuchte ich ein Museum. In einem Räume, der die Inschrift „Bälle der Naturvölker" trug, fand ich die sonderbarsten „Bälle": kugelförmige Gebilde aus Holz, Schnurgeflechten, Knochen und Steinen, Bälle aus Leder mit Haar oder Fasern gefüllt, Bälle aus einer elastischen Masse von erhärtetem Pflanzensaft und federleichte Bälle aus netzübersponnenen Tierblasen. Manche sahen wirklich sonderbar aus, und doch waren auch sie einmal die Freude von Kindern und von Erwachsenen.

Da gab es einen mittelgroßen Ball, der aus dem Milchsaft der Mangave hergestellt war. Mit ihm hatten die Azteken das höchst merkwürdige und schwierige Steiß- oder Hüftballspiel betrieben. Der Ball durfte bei diesem Spiel nur mit der Hüfte, besser gesagt, mit dem Gesäß geprellt werden.

Jeder Spieler band sich daher zum Schutz einen Streifen Hirschleder über den so sehr beanspruchten Körperteil. Jungen mit Lederhosen hätten dieses besonderen Schutzes bestimmt nicht bedurft.

Ein anderes, sehr altes Ballspiel war das Schlagballspiel bei den Tschokta. Hier bestand der Ball aus Holz oder aus Leder. Er wurde mit zwei Schlägern gespielt und musste in ein Tor geschlagen werden. Es war nicht erlaubt, den Ball mit der Hand zu berühren.

Mit unserem heutigen Schlagballspiel hat dieses alte Spiel nur den Namen gemeinsam. Damals konnten gleichzeitig 1000 Jugendliche mitspielen. Man verwendete verschiedene Schläger, einer davon ähnelte mehr unserem Tennis- und der andere unserem Hockeyschläger.

Pelota

Bei Ausgrabungen in Ägypten fand man Lederbälle, die den Toren vor etwa 3000 Jahren vor Christus mit in die Gruft gegeben worden waren. Den Toten wurden nur Gegenstände ihres täglichen Bedarfs mitgegeben. Da sieht man, wie beliebt und allgemein gebräuchlich das Ballspiel schon damals gewesen sein muss.

Auch bei den Griechen war das Spiel mit dem Ball sehr beliebt. Besonderen Wert legte man auf Schönheit und Anmut beim Werfen und Fangen. Man hatte erkannt, dass der Ball als Gerät bei der Gymnastik jede Bewegung ausgiebiger, schöner und für die Durchbildung des Körpers wertvoller machte. Natürlich wurden auch Ballspiele betrieben.

Japanische Ballspieler Ganz anders hielten es dagegen die Römer. Sie betrieben die Ballspiele nicht zum Vergnügen, sondern nur um ihrer Gesundheit willen. Der Ball war daher auch das Abzeichen der Ärzte. Den gebräuchlichsten Ball nannten sie „pila". Er war mit Haar gefüllt und mit Leder oder Blättern überzogen. Einen anderen, dickeren Ball nannten sie „follis"; er war mit Luft gefüllt.

In alten Heldenliedern, zum Beispiel in der Edda und in den Sagas, wird uns erzählt, in welch hoher Blüte der Sport um das Jahr 500 bei den nordgermanischen Völkerstämmen stand.

Im Mittelpunkt der sportlichen Übungen stand damals das Schlagballspiel. Es ist aber weder mit unserem heutigen Schlagballspiel noch mit dem der Tschoktas zu vergleichen.

In Überlieferungen aus Frankreich wird im 14. Jahrhundert ein interessantes Spiel erwähnt, das hauptsächlich in der Picardie (französische Landschaft) ausgetragen wurde. Das war ein sehr beliebtes Spiel, und wenn wir hören, dass man heute in ihm die Urform unseres Fußballspiels sieht, wundert uns das gar nicht. Ein schwerer Federball wurde mit dem Fuß weiter gestoßen und musste dann durch einen an einem Pfahl befestigten und mit Papier überzogenen Reifen geworfen werden. Das Spielfeld war 300 Meter lang.

Da gibt es übrigens ein ganz altes Lehrbuch, das erste Ballspiel-Lehrbuch überhaupt, aus dem Jahre 1555. Ein Italiener hat es zusammengestellt. Er gibt in diesem Buch auch die erste vollständige Beschreibung des Fußballspiels. Damals gehörten zwanzig bis vierzig Spieler zu einer Mannschaft. Der Ball konnte mit dem Fuß oder mit den Händen weitergegeben werden; es war sogar gestattet, ihn zu tragen. Von Beton-System und Elfmeter, von Abseitsfallen und unseren heutigen strengen Strafstoßbestimmungen hat man damals wohl noch nichts gewusst.

Wer weiß, was ein „Ballhaus" ist? Im 16. und 17. Jahrhundert begegnete man solchen Gebäuden in ganz Europa. Nun, in diesen Häusern wurde nicht fröhlich getanzt, wie man das heute auf einem „Ball" zu tun pflegt. Hier trieb die vornehme Welt ein Spiel, das der Vorläufer unseres heutigen Tennisspiels wurde.

Das 17. und 18. Jahrhundert war eine schlechte Zeit für körperliche Übungen und auch für Ballspiele. Man fand sie unschicklich, und die meisten wurden verboten. Aber um 1800 begann der Ball, wie wir ihn alle kennen, einen Siegeszug ohne gleichen. Zahlreiche Ballspiele, zum Teil schon im Altertum bekannt, wurden nun zu neuen Formen weiterentwickelt, in denen sie uns noch heute bekannt sind.

Recht jung noch ist eines unserer beliebtesten Spiele: das Handballspiel. Ein Berliner Sportlehrer hat es im Jahre 1919 ersonnen. Bei aller Achtung vor seiner Jugend müssen wir aber doch sagen, dass auch schon unser Handballspiel einen Vorfahren bei den alten Griechen hatte.

Tennisspielendes Mädchen

Nun wollen wir aber Jutta und Renate nicht länger aufhalten. Ich glaube, sie schielen beide schon die ganze Zeit nach ihren schönen Bällen.

Aus "Stafette" 2. Juli-Heft 1959

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